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"Wenn ich groß bin, möchte ich Arzt werden...“

Wenn Musin am morgen frühstückt, gibt es keine Cornflakes oder Brötchen. Nein, seine Mutter backt jeden Morgen Fladenbrote über einem kleinen Feuer aus Rinderdung. Sie werden Chappatis genannt und man taucht sie in einen Eintopf aus Kartoffeln, Linsen und Karotten.

 

In Pakistan isst man auf dem Boden, deshalb gibt es auch keinen Tisch. Die ganze Familie sitzt um ein Tischtuch herum auf dem Boden und isst mit den Fingern. Sie benutzen dabei immer die rechte Hand, weil man dort mit der linken Hand den Popo abputzt!

 

Musin ist neun Jahre alt und ist schon vier Jahre in der Schule. Sein Schulweg führt durch Reisfelder. An den Ecken der Felder liegen Wasserbüffel in tiefen Teichen herum. Musin sieht in seiner blauen Schuluniform sehr nett aus. Seine Lieblingsfächer sind Naturwissenschaften und Englisch. Musin ist ein ziemlich guter Schüler. Das liegt vielleicht daran, weil er jeden Nachmittag für zwei Stunden einen Privatlehrer hat.

 

Musins Eltern hoffen, dass er einmal Arzt wird. Deshalb bezahlen sie das Extrageld für den Privatlehrer. Sie hoffen, dass er ein gutes Abschlusszeugnis bekommt und dass er eines Tages studieren kann. Musins Eltern sind nicht reich. Sein Vater arbeitet in einer Ziegelfabrik. Die Ziegel werden in einem großen Ofen gebrannt und dann für den Hausbau verwendet. Aber damit verdient er nicht so viel Geld.

 

Musins Mutter näht Fußbälle. Sie braucht drei Stunden, um die 32 Waben zusammen zu nähen. Pro Ball verdient sie 40 Cent. Das reicht nicht einmal für den Reis aus dem Dorfladen.

 

Aber manchmal näht sie fair gehandelte Bälle für Weltläden, die es in Ländern wie Österreich, Deutschland oder Dänemark gibt. Sie verkaufen Fußbälle, die ein bisschen teurer sind als die in den Sportläden. Wenn Du also einen Ball aus dem Weltladen kaufst, den Musins Mutter genäht hat, dann verdient sie deutlich mehr. Mit diesem zusätzlichen Geld kann Musins Familie den Privatlehrer bezahlen.

 

Musin ist nicht der Einzige seiner Schule, der zusätzlichen Unterricht erhält. Die meisten Frauen im Dorf nähen Fußbälle für Weltläden, damit die Kinder nach der Schule Extraunterricht bekommen können.


Musins Lieblingsspiel ist Fangen. Er spielt es mit den anderen Jungen und Mädchen seines Dorfes, dabei rennen sie durch die winzigen Straßen. Die Straßen sind so schmal und verwinkelt, dass sie der perfekte Platz zum Versteckenspielen sind. Ein Spiel für das man viel Geschicklichkeit braucht ist das "Rad-roll"-Spiel. Dabei stößt man ein Rad oder einen Reifen mit einem Stock so lange an, bis er umfällt. Auch Kinder in Europa kennen dieses Spiel.

 

Musin wird nicht mehr lange mit den Mädchen spielen können. Denn wenn Mädchen in Pakistan 12 werden, dann dürfen sie nicht mehr mit anderen Jungen - außer ihren Brüdern - spielen.

 

Musin ist das egal. Er will sowieso so schnell es geht Cricket spielen lernen. Beim Cricket muss man einen kleinen Ball mit einem Holzschläger schlagen. Dieses Spiel ist die Nummer eins der Spiele in Pakistan - wie Fußball bei uns.

 

Vor 10 Jahren hätte Musins Alltag noch völlig anders ausgesehen. Die Kinder in Musins Dorf konnten nicht draußen spielen oder in die Schule gehen. Sie mussten Fußbälle nähen wie ihre Eltern.

 

Am Abend geht Musin wieder heim. Er muss seiner Mutter beim Einkauf für das Abendessen helfen. Seine Familie wohnt in einem kleinen Lehmziegelhaus. Es hat ein Zimmer und einen kleinen Garten. Es gibt auch nicht viele Möbel: vier Betten, zwei Stühle und einen Ventilator. Das ist in Pakistan ein nützliches Gerät, weil es dort meistens sehr heiß ist.

 

Musin, seine Eltern und seine fünf Brüder und Schwestern leben alle zusammen in diesem einen Raum. Da sie keinen Tisch haben, macht Musin seine Hausaufgabe im Schneidersitz auf dem Bett, das er mit seinem kleinen Bruder Yousef teilt. Aber das macht Musin nichts aus.

 

Er ist glücklich, dass er überhaupt eine Zeitlang zur Schule gehen kann und dass er nicht arbeiten gehen muss - wie das andere Kinder in Pakistan immer noch tun.

 

Was möchtest Du einmal machen, wenn Du groß bist?

 

 

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